SousVide Test – Sansaire vs. Anova Precision Cooker

Meine Annäherung an das Thema SousVide habe ich mit einem selbstgebastelten Gerät gemacht. Erste Informationen dazu fand ich beim SeattleFoodGeek inklusive einer rudimentären Anleitung so ein Teil selbst zusammen zu stöpseln. Das grösste Problem war hierbei nicht die Regelung, die ist recht einfach erstellt. Aber eine Zirkulationspumpe zu finden die zum einen bezahlbar und zum anderen bei 80 Grad verwendbar ist war ein größeres Problem. Nach zwei geschmolzenen Aquarienpumpen hatte ich die Nase voll und es musste was ordentliches her.
Da es zu diesem Zeitpunkt noch keine erschwinglichen Einsteigergeräte gab organisierte ich mir ein gebrauchtes Laborthermostat. Deren Neupreise liegen im Regelfall um die 1000€, aber bei Ebay bekam man sie damals noch manchmal relativ günstig. Das Gerät hatte ordentlich Power und tat alles was ich wollte.

Dann kam plötzlich Scott Church vom SeattleFoodGeek mit dem Sansaire um die Ecke. Ein SousVide Zirkulator zu einem Preis der deutlich unter denen der renommierten Laborhersteller lag, in einer europäischen Version zu haben war und alles zu haben schien was man brauchte. Der Sansaire verrichtet seit nunmehr einem Jahr seinen Dienst klaglos in unserem Haushalt. Vor einigen Monaten nahm ich an einer Kickstarter-Kampagne teil und sicherte mir zwei Anova Precision Cooker. Ebenfalls ein SousVide Gerät mit leicht anderen Ausstattungsmerkmalen.
Nachdem ich also von Freunden und Bekannten immer wieder nach dem Unterschied zwischen den beiden gefragt wurde, hier ein Vergleich zwischen dem Sansaire und dem Anova Precision Cooker.
Der Sansaire tritt gegenüber dem filigraneren Anova deutlich grobschlächtiger auf. Auf den ersten Blick glänzt beim Anova Metall, während der Sansaire in ein schwarzes Plastikkleid gehüllt ist. Optisch macht der Anova auf jeden Fall mehr her und der WAF (Woman Acceptance Factor) ist definitiv höher (außer man hat eine Freundin die auf Darth Vader steht). Der Anova nimmt aufgrund der kompakteren Ausmaße deutlich weniger Platz im Wasserbad ein, es bleibt also je nach Behältergröße mehr Platz für die SousVide-Beutel. Hinzu kommt, dass die Edelstahlhülle in die Spülmaschine braucht. Allerdings ist dies ein Feature, welches in der Praxis keine sooo große Rolle spielt, da man das Gerät sowieso nur in sauberem Wasser gebrauchen sollte und mir bisher noch kein Beutel geplatzt ist.
Bleibt man nun bei den äußeren Werten, so fallen einem direkt die unterschiedlichen Halterungen der beiden Teilnehmer auf. Während der Sansaire eine Art Metallfeder nutzt um sich an Topf- oder Behälterwänden festzuklemmen weist der Anova einen zweigeteilten Mechanismus auf. Die Halterung ist nicht wie beim Sansaire fest mit dem Gerät verbunden, sondern kann abgenommen werden. Mit dieser kann auch die Einhänghöhe des Anova festgesetzt werden. Befestigt wird jeweils über eine Verschraubung. Ich hatte bei beiden Geräten nie das Gefühl, dass die eine Ausführung besser wäre als die andere. Bei meiner Befestigung an einem Topf oder an einem Plastikcontainer hat beides seine Vor- und Nachteile. Während der Sansaire allerdings auf den Boden des Gefäß abgestellt wird und die Metallfeder nur zur Unterstützung dient (zumindest wenn das Gefäß nicht deutlich höher ist als meines) sitzt der Anova bombenfest in seiner Halterung. Nur das an- und abschrauben hat mich manchmal genervt wenn ich in Eile war, aber das ist vielleicht nur meiner Ungeduld zuzuschreiben.
Die Bedienung beider Geräte erfolt mittels eines Drehrads. Während das beim Sansaire als grauer Ring um den ganzen Körper ausgelegt ist, ist es beim Anova eher wie ein beleuchtetes Mausrad ausgeführt. An beiden Geräten lässt sich die Umstellung von Fahrenheit auf Celsius mittels eines Knopfdrucks erledigen. Auf beiden Displays kann man die derzeitige Temperatur gut ablesen. Beim Anova wird zusätzlich die eingestellte Zieltemperatur angezeigt, beim Sansaire muss man hierfür einen Knopf drücken um diese sehen zu können. Bei der Anzeige liegt also Anova eine Nasenlänge voraus. Ebenso kann beim Anova zusätzlich zur Temperatur ein Timer eingestellt werden. Ich habe die Funktion allerdings noch nie genutzt, da für SousVide weniger die Dauer, sondern mehr die Temperatur eine Rolle spielt. Ob Steaks jetzt 30 oder 40 Minuten im Wasser baden macht bei der eingestellten Zieltemperatur keinen Unterschied, was selbst Anova in ihrem Handbuch beschreibt, wobei man sich dann fragt, warum man diese Funktion überhaupt implementiert hat.
Das wichtigste ist natürlich die Temperaturgenauigkeit, um sie dreht sich alles beim SousVide baden. Mir selbst würde eigentlich eine 1-Grad-Einteilung reichen, denn OnsenEi (ein perfektes Ei bei einer definierten Temperatur die auf den Zehntel-Grad genau gehalten werden sollte) mache ich persönlich nicht so häufig und für Fleisch oder Gemüse reichen im Regelfall ganzzahlige Werte, aber ich erwarte einfach bei Geräten von Herstellern die immer wieder betonen, dass sie auf 0,1 Grad genau sind eben diese Genauigkeit auch zu liefern. Tja, und genau hier patzt eines der Geräte ganz gewaltig. Während der Sansaire sehr schnell über das umlaufende Rad auf die Zieltemperatur mit 0,1 Grad Genauigkeit eingestellt werden kann, so springt die Angabe vom Anova in 0,5 Grad Schritten. Nach dem ersten Ausprobieren glaubte ich noch an einen Fehler oder eine falsche Einstellung, aber es blieb dabei: Es sind maximal 0,5-Grad-Celsius-Schritte möglich. Ganz ehrlich, da fühle ich mich vom Hersteller verschaukelt, selbst wenn ich es nicht nutzen sollte. Erst mit der App (verfügbar für iOS und Android) kann auf 0,1 Grad genau eingestellt werden. Was dieser Unfug allerdings soll bleibt mir schleierhaft.
Ich habe beide Geräte anhand eines kalibrierten Thermapens getestet. Der Sansaire war direkt von Anfang an perfekt eingestellt, kann aber auch direkt am Gerät neu kalibriert werden. Beim Anova ist hierfür die App nötig, nur über diese kann eine Kalibrierung durchgeführt werden. Hinzu kommt, dass das Gerät eine Abweichung von über einem Grad aufwies.
Aufgrund der deutlich geringeren Heizleistung des Anova braucht dieser deutlich länger um Wasser auf die entsprechende Temperatur zu bringen. Hinzu kommt, dass die Temperaturstabilität auch bei kleineren Bädern nicht so gut ist wie die des Sansaire, so braucht man beim Anova eine Abdeckung oder Tischtennisbälle um keine Temperaturschwankungen zu haben. Eigentlich eine Sache die nicht unbedingt nötig sein sollte und wie der Sansaire zeigt auch nicht nötig ist. Durch die höhere Heizleistung und die stärkere Pumpe kann der Sansaire deutlich größere Bäder aufheizen und damit größere Portionen auf einmal zubereiten. Der Hersteller gibt hier ein Wasserbad von 23Litern als Obergrenze an, während es beim Anova bei 15-19Litern liegt, wobei unklar ist warum hier keine klare Obergrenze ausgegeben wird und ich 19 Liter für deutlich übertrieben halte insofern kein isoliertes Wasserbad genutzt wird.
Fazit:
Für mich hat der Sansaire eindeutig die Nase vorn. Die 300 Watt mehr Heizleistung und die stärkere Pumpe sorgen für eine deutlich höhere Temperaturstabilität. Alle Features sind direkt am Gerät abrufbar. Sollte die App von Anova zum Beispiel nicht mehr funktionieren (neue iOS- oder Android-Version wird z.B. nicht unterstützt), so wäre es nicht mehr möglich das Gerät zu kalibrieren oder auf 0,1 Grad Genauigkeit einzustellen. Das sind für mich ein NoGo. Hinzu kommt die abfallende Temperaturstabilität gegenüber dem Sansaire. Diese Punkte können leider auch nicht durch das insgesamt schönere und kompaktere Design wettgemacht werden, sind sie doch einfach zu wichtig für das Gelingen der Gerichte und die einfache Handhabung der gesamten SousVide-Technik. Wenn man nun noch den Preisunterschied ins Feld führt, würde ich aufgrund dessen eher zum Sansaire greifen.
 
 SansaireAnova Precision Cooker  
Preis (inkl. Versand nach Deutschland)205€ca. 280€
Heizleistung1100 Watt800W
Umwälzung11 Liter pro Minute7-8 Liter pro Minute
Temperaturrange32°F – 212°F / 0°C – 100°C77°F - 210°F / 25°C - 99°C
Genauigkeit± 0.1 degree at 140°F / 60°C ± 0.01°C
Maximale Größe Wasserbad23 Liter15-19 Liter
Abnehmbares StromkabelJaNein
HandyanbindungNeinvia Bluetooth für iOS und Android
Gewicht1,8kg1,1kg

Einige Gedanken zu “SousVide Test – Sansaire vs. Anova Precision Cooker

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