weGrill – Alternative zum Beefer?

Da will man am frühen Morgen einfach nur in Ruhe unter kaltem Wasser sich die Nacht vom Leib waschen um irgendwie wieder ins Reich der Lebenden zu kommen, und plötzlich klingelt es an der Tür. Die Christel von DHL stand vor der Tür und hatte ein Paket  aus Italien abzugeben. Ich glaube so schnell war ich noch nie aus der Dusche (vom Rasieren sprechen wir jetzt einfach mal nicht 😉 ). Nachdem meine bessere Hälfte mir einen leicht irritierten Blick zugeworfen hatte und wieder in Richtung Frühstück machen verschwand packte ich schon das neueste Spielzeug im Hause Foodie aus.

GermanFoodie-3147

Für alle denen der Begriff „Beefer“ nichts sagt, dieser und der weGrill sind im Endeffekt eine Art Salamander, wie man ihn aus der Gastronomie kennt. Also brutale Hitze von oben mit um die 800 Grad. „Mehr“ können die Teile nicht. Also ein reiner Monotasker fürs gratinieren, karamellisieren, mailladieren und alles andere was mit -ieren endet. Okay, fritieren kann er nicht.

Letzte Woche erst darauf aufmerksam geworden und schon stand er im Wohnzimmer, bzw. auf der Terasse. 290€+Versand und 5 Tage später stand der weGrill vor mir, genauer gesagt der „weGrill Young“ und wartete darauf ausgepackt zu werden. Und leider musste er erstmal warten (oder ich), denn erst stand das Frühstück auf dem Programm. Immerhin die wichtigste Mahlzeit des Tages, also neben Mittag- und Abendessen, achja und den Zwischenmahlzeiten.

GermanFoodie-3238

Er kam nett verpackt in einer schicken blauen Tasche, welche auch zum Transport dient. Das Bild ist erst nach dem Grillen entstanden, daher die etwas unsaubere Oberfläche. Im Gegensatz zum Beefer muss man diesen erst zusammenbauen. Dafür benötigt man nicht mal die (italienische) Anleitung, sondern steckt einfach schnell fünf Teile zusammen und schon ist er fertig. Den mitgelieferten Druckregler kann man allerdings direkt in der Tüte lassen; der passt leider auf keine deutsche Gasflasche. Kein Anschluß unter dieser Steckverbindung sozusagen. Also beherzt zu einem der zig rumfliegenden Gasschläuche und dem passenden Druckregler gegriffen und der Spaß kann beginnen. Jedoch erstmal Fotosession, bevor er am Ende eingesaut ist und als Fotomodell nicht mehr taugt. Wer beschränkte Platzverhältnisse hat für den ist der Beefer eher geeignet, da dieser mit einer deutlich kleineren Grundfläche auskommt. Hier stehen Abmaße von 23cm Breite / 40cm Höhe und 47cm Tiefe Abmaßen von 35cm Breite / 30cm Höhe und 40 cm Tiefe gegenüber.

GermanFoodie-3180

Im Gegensatz zur stufenlosen Höhenverstellung des Beefers finden sich hier nur drei, oder mit dem Boden insgesamt vier Stufen um das Gargut zu platzieren. In meinem kurzen Test mit einem Steak hat sich dies nicht nachteilig ausgewirkt und ich bezweifel, dass ich mehr brauchen werde. Sicher, der Beefer bietet die Möglichkeit individuell das Gargut hoch oder runter zu fahren, aber in der Praxis habe ich das noch nie genutzt. Die zu kurz geratene Übersetzung beim Beefer macht das Ganze auch nicht spaßiger, dazu wird es im laufenden Betrieb immer noch recht heiß, solange man „am Rad dreht“ um den Fleischlift hoch und runter fahren zu können.

Der weGrill macht einen sauber entgrateten Eindruck, nur ganz vorne an der Falz muss man noch kurz die Schutzfolie abziehen, oder halt einfach mit der Zeit wegbrennen lassen.

GermanFoodie-3125

Leider hat der italienische Hersteller den Anschluß nicht als Gewinde ausgeführt, sondern man muss den Schlauch über den Stutzen zwingen und dann mit einer Schelle befestigen. Nicht meine bevorzugte Art der Fixierung, aber auch nicht ungewöhnlich; vor allem in einigen unserer europäischen Nachbarländer. Nach Aussage des Herstellers verfügt der weGrill außerdem über eine CE-Kennzeichnung, welche ihn für den europäischen Markt als zulässig klassifizieren soll.

GermanFoodie-3167

Mitgeliefert wurden eine Tasche (die ich vergessen habe zu fotografieren) in welcher der Grill auseinandergebaut Platz findet und zusätzlich zum Rost eine Schale zum Einschieben. Diese kann entweder alleine genutzt werden, oder auch als Tropfschale genutzt werden. Der Rost passt ebenfalls genau hinein.

GermanFoodie-3144

Den einzig größeren Kritikpunkt stellt der Rostheber dar. Dieser ist leider, nicht wie beim Beefer, einfach nur zum Einhaken, sondern muss auseinandergebogen und dann auf die entsprechenden Stifte gesteckt werden. Das sorgt dafür, dass man nicht nur Hebekraft aufbringen muss, um den Rost nach oben bzw. nach vorne zu befördern, sondern man sollte auch gleichzeitig den Griff zusammendrücken, damit der nicht plötzlich an einer Seite abgeht und das ganze schön Gargut in Richtung Boden segelt.

Vor dem Gerät läßt sich eine Ablage anbringen, dafür muss nur kurz der Metallbügel herausgezogen und die Ablage eingesetzt werden. Das ist allerdings noch etwas verbesserungswürdig, da die Ablage leicht hoch steht und bei zu viel Zug der Bügel aus dem Gerät herauskommt. Er lässt sich aber auch leicht wieder reinstecken. Ohne entsprechenden Untergrund würde ich allerdings auch keine schweren Sachen darauf ablegen. Zwei Steaks sind sicher kein Problem, bei einer Auflaufform aus Keramik sieht es vielleicht schon anders aus. Ohne die Ablage kann der Metallbügel einfach wieder im Gehäuse verschwinden und es verbleibt nur eine kleine Reling an der Front.

GermanFoodie-3169

Wie beim Beefer auch befinden sich in diesem Gerät zwei Keramikplatten, über die „geheizt“ wird.

GermanFoodie-3187

Das Fleisch wurde direkt aus dem Froster via. Wasserbad auf Temperatur gebracht und durfte es sich bei 50° Celsius gemütlich machen. Der entsprechende Test zum SousVide Gerät Anova Precision Cooker wird in den nächsten Wochen ebenfalls online gehen. Nachdem das US Entrecote auf Temperatur war ging es unter die Höhensonne.

GermanFoodie-3189

Es bruzzelt und nach ungefähr einer Minute (30 Sekunden von jeder Seite) ist das Fleisch mit einer wunderschönen vollflächigen Kruste versehen.

GermanFoodie-3199

Et voila, die Kruste ist fertig. Wer mehr Kruste möchte muss das Fleisch einfach länger unter der Höllenhitze schmoren lassen.

GermanFoodie-3222

 

Der Anschnitt, ich denke das Bild sagt alles.

 

Den weGrill gibt es auch noch als 3-Brenner-Variante unter dem Namen weGrill Folding. Allerdings kostet dieser mit 450€ mehr als 50% mehr als der weGrill Young. Die Preisgestaltung finde ich, gelinde gesagt, etwas unglücklich. Es existiert sogar noch eine Indoor-Variante, welche mit 550€ zu Buche schlägt. Worin genau der Unterschied zu den vorherigen Varianten besteht hat sich mir allerdings nicht erschlossen.

Fazit:

Der weGrill geht eindeutig als Preis-/Leistungssieger hervor. Nicht nur, dass er weniger als die Hälfte des Beefers kostet. Mitgeliefert werden auch noch eine Tasche zum Verstauen und eine Schale zusätzlich zum Grillrost. Die Leistung war im Test nicht zu verachten und steht der des Beefer nach meiner Erfahrung in nichts nach. Die Materialstärke scheint etwas geringer auszufallen als beim Beefer, dies ist aber etwas was man beim Anblick des Preises durchaus verschmerzen kann.  Natürlich können im Rahmen dieses Kurztest keine Aussagen darüber getätigt werden wie sich dies über einen längeren Zeitraum auswirkt, oder ob irgendwelche Probleme auftauchen werden. Auch wie die Ersatzteilversorgung aussieht wird sich zeigen (falls man überhaupt etwas brauchen sollte, im Regelfall sollte das Gerät einige Jahre ohne Zuwendungen halten).

Disclaimer:
Dieser Test wurde ohne Zuwendung von Dritten (Herstellern, Zubehörhändlern oder sonstigen Interessensgemeinschaften) hergestellt und spiegelt rein die Meinung des Autors wieder.

 

28 Gedanken zu “weGrill – Alternative zum Beefer?

  1. Jochen

    Toller Test, Danke! Für das Gerät interessiere ich mich auch, um mein Fleisch nach dem Baden anzubrennen. Verstehe ich das richtig, dass du den Beefer sogar testen konntest und von der Hitze her keine Nachteile siehst? Wie ist die Kruste denn im Vergleich zum anbraten in einer Eisenpfanne oder auf einem Sizzler – hast du dazu auch Vergleichsmöglichkeiten? Und wie hoch ist der Versand nach Deutschland? Bestellung auf englisch? So, genug gefragt – bin gespannt!
    Viele Grüße und Danke
    Jochen

    1. GermanFoodie Artikel Autor

      Hallo Jochen,

      Danke für Dein Feedback. Zu deinen Fragen will ich Dir direkt mal eine Antwort geben:

      Vergleich mit Sizzler: Im Endeffekt ist der weGrill oder der Beefer vom Prinzip ja nichts anderes als eine auf den Kopf gestellte SizzleZone. Der Riesenvorteil (und den bewerte ich sehr hoch) liegt darin, dass das Fett nicht auf den Brennkörpert tropfen kann, Feuer fängt und das Fleisch direkt mal verkohlt. Daher ist das Teil einer SizzleZone deutlich überlegen.

      Vergleich mit Eisenpfanne: Tja, da wird es schwierig. Habe mich in letzter Zeit häufiger wieder dabei erwischt, wie ich lieber die Gusspfanne statt des weGrill genommen habe. Dort wird die Kruste sogar noch etwas gleichmäßiger, da der Abstand zur Hitzequelle überall gleich ist und man direkten Kontakt hat. Allerdings ist die „Grauzone“ beim weGrill etwas kleiner. Muss ich vielleicht nochmal ausführlicher testen.

      Vergleich mit Beefer: Nachteile gegenüber dem Beefer konnte ich nicht entdecken und bei dem Preisunterschied wären mir die um ehrlich zu sein egal.

      Zur Bestellung: Nach Aussage des Herstellers wird es wohl sehr bald einen deutschen Distributor geben, ich würde also noch etwas warten bis ich bestelle. Ansonsten lagen die Versandkosten bei 20€, allerdings muss man halt noch Schlauch und Druckminderer mitberechnen, oder einen Adapter kaufen. Bestellung war glauche ich auf Italienisch, aber das weiß ich nicht mehr so genau.

      Gruß
      German Foodie

    1. GermanFoodie Artikel Autor

      Also laut dem Hersteller des weGrill ist der erste deutsche Häbdler wohl . Habe aber keine Informationen auf deren Seite gefunden.

  2. Ralf

    Hallo,

    ein toller Bericht, der Artikel macht Lust auf das Gerät. Irgendwie komme ich mit der Website aber nicht klar, wo haben sie den Grill bestellt ?

    Gruß und bon apetit

    Ralr

  3. Marc

    Hi,

    Hast Du eine Meinung, wieviel besser/schlechter diese Methode gegenüber dem Überbräunen mit einer Lötlampe ist?

    Liebe Grüsse, M!

    1. GermanFoodie Artikel Autor

      Es geht schneller und gleichmäßiger als mit der Lötlampe. Natürlich bekommt man ein ähnliches Ergebnis auch mit der Lötlampe, aber je nach Brennstoff kann es auch passieren, dass das Fleisch einen unerwünschten Beigeschmack bekommt.

  4. MuffinMan

    Einer der Unterschiede die wohl auch zu dem Preisunterschied führen ist der Brenner.
    Meines Wissens ist der Brenner aus dem weGrill nicht für den hängenden Betrieb konzipiert sondern für den aufrechten Betrieb.
    Inwieweit das Auswirkungen hat kann ich als Laie aber auch nicht abschätzen.
    An der Kruste lässt sich tatsächlich kein Unterschied zum Beefer erkennen.
    Aus meinen Erfahrungen kann ich berichten, das der Beefer (und wohl such der wegrill) auf jeden Fall das bessere Steak macht. Die Pfanne kommt nur noch zum Einsatz wenn das Wetter (Wind) den Einsatz des Beefers nicht zulassen.
    Ansonsten ein klasse Test, der Blog wird direkt mal zu meiner Favoriten hinzugefügt 😉

  5. Wolf

    Selbst bei geringen Abstrichen zum Original würde ich den sofort über den Preis kaufen.
    Nicht weil Geiz geil ist, sondern weil das Ergebnis zum Preis/Leistung Verhältnis passt.
    Danke sehr für den Test!
    Gruss Wolf

  6. Andreas

    Danke für den tollen Bericht. Habe mir das Teil jetzt auch bestellt und musste jetzt bei Ankunft des Grills feststellen, das ich erst mal einen halben Tag Schutzfolie entfernen darf.
    War das bei deinem Grill auch der Fall ?
    Ausserdem gehen die Jungs von WeGrill nicht so sorglich mit den geschliffenen Edelstahlteilen um das von Anfang an schon Kratzer in der Oberfläche sind. Natürlich sehr unschön.
    Auch wenn der Preis niedriger als beim Beefer ist, sollten die Einzelteile schon sauber und Kratzfrei bei Kunden ankommen.
    Nichts desto trotz, weiterhin viel Spass mit dem Höllenteil 🙂

    1. GermanFoodie Artikel Autor

      Jein…nein…evtl.
      So in etwa lautet meine Antwort. Und wenn Du Dir jetzt nochmal den Anschnitt anschaust und ein wenig nachdenkst…dann kommst Du sicher selbst auf die passende Antwort. 😉

  7. Thorsten

    Vielen Dank für den tollen Test! Wie sieht es denn mit der Reinigung aus? Auch im Vergleich zum Beefer? Habe bisher keinerlei Erfahrung mit dieser Art von Grill. Danke schon mal…

    1. GermanFoodie Artikel Autor

      Die Reinigung ist ziemlich einfach. Unten ist eine Edelstahlschale drin, die man entweder so reinigen kann, oder die man mit Alufolie auskleidet und diese dann einfach wegwirft.

  8. Ralf von den driesch

    Vom Preis mal abgesehen ,Beefer oder weGrill,denke der Beefer saut sich nicht so stark ein ,trotzdem komme ich mit meiner Kaufentscheidung nicht weiter .was soll ich tun ?????

    1. GermanFoodie Artikel Autor

      Ich verstehe den Punkt mit dem „einsauen“ nicht. Wie kommst Du darauf? Wieso sollte sich beim gleichen Garvorgang daran etwas ändern?

  9. Olaf

    Hallo,

    auf dem Bild sieht man, dass der Brenner sehr viel kleiner ist, als die Fläche des Grillrosts.
    Ist denn das Grillergebnis über die ganze Fläche gleich gut oder nur in der Mitte optimal?
    Anders gefragt: Kann man 2-3 Steaks gleichzeitig grillen (bei gleicher Qualität),
    oder besser nur je eines aufs mal (wie beim Beefer), dafür genau in der Mitte?

    1. GermanFoodie Artikel Autor

      Natürlich kann man nicht die ganze Fläche einfach mit Steaks zukleistern. Diese sollten schon möglichst mittig unter dem Brenner liegen, sie dürfen aber auch etwas größer sein als der Brenner.

  10. Oliver

    toller Test- oder eher Erlebnisbericht! Ich habe diesen Händler hier http://www.gastro-lounge.eu/ bei uns in Bayern gefunden. Auf den Fotos zum Gerät sieht man einen korrekten Anschluss mit Knebel und den Schlauch gleich mit Minderer. Ist es dennoch das gleiche Gerät und der gemodelte Anschluss ist ein Service zum Produkt? Auch der Rost ist da nicht nur ein Drahtgebilde sondern sieht etwas solider aus…

    Dann noch die Frage, ob die beiden IR Felder ausreichen, um zwei 300gr. oder mehr Steaks gleichzeitig bedienen können?

    Bester Gruß aus’m Allgäu!

    1. GermanFoodie Artikel Autor

      Hallo Oliver,
      das Gerät wurde mittlerweile weiter verbessert und modifiziert. Das ist also kein Service vom Händler, sondern nun grundsätzlich so. Sobald ich etwas mehr Zeit finde werde ich den Artikel dahingehend überarbeiten.

  11. Sf

    Kurz und knapp:

    Wer hat denn da gepostet das Fleisch wäre falsch geschnitten, das ist genau gegen die Faser und somit perfekt.
    Der Beefer ist besser verarbeitet und in der Preiskategorie kauft man ungern zweimal.

  12. Michael

    Hallo, toller Bericht! Momentan gibt es ihn in BRD wohl für ca. 400€, weshalb mich die Addresse interessieren würde, bei der Du in Italien gekauft hast. Evtl. ist er dort günstiger zu bekommen.
    Danke! Michael

  13. MYK

    Hallo zusammen,

    der aktuelle Preis ist aber ganz schön gestiegen. Leigt mittlerweile bei 420€. Sind ja gut 130 € mehr als bei Deinem Erstkauf in Italien.
    Wahnsinn. Denn selbst dort wird er mit 420 € angegeben. Ist die Nachfrage so hoch ? Oder gibt es signifikante Verbesserungen ?

    Gruß

    MYK

    1. GermanFoodie Artikel Autor

      Es gibt tatsächlich signifikante Änderungen, diese werde ich in den nächsten Wochen näher beleuchten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.